"des hommes" 

Premiere: Nov. 2005 / fabrik Heeder, Krefeld
Dauer: ca. 60 Min.

Choreografie / Tanz: Morgan Nardi, Andreas Simon
Visuelle Kunst: Naoko Tanaka
Live-Percussion: Waldo Karpenkiel
Licht-/Bühnentechnik: Reinhard Lange
Tonbearbeitung: Daniel Hencel

Koproduziert durch die Fabrik Heeder, Krefeld
Gefördert durch das Kulturbüro der Stadt Krefeld 

Mit reisendem Blick, nicht verweilend sondern stets suchend, werden Erinnerungen auf ihr Inneres überprüft. Durch die Rückkehr in sich selbst, in eine Zeit, die verloren scheint, ist der seiner Sehnsucht folgende Mensch das Werkzeug seiner selbst auf dem Weg zur höchsten Vollendung. Wahrheit braucht nicht Beweise, sie besteht im Zurückführen auf die letzte Einfachheit. Man kann die Welt nur nach dem verstehen, was man erlebt, und was ich erlebe, stelle ich dar.

" Wenn du ein Schiff bauen willst, so fange nicht damit an, Holz zu sammeln, Planken zu schneiden und die Arbeit einzuteilen, sondern erwecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem weiten endlosen Meer." (Antoine de Saint-Exupery)

Tourdaten

19. und 26. November 2005, Studiobühne Fabrik Heeder, Krefeld
im Rahmen der Reihe "fused - TanzKunst in Krefeld"

Presse

Urszenen des Tanzes in Zelt und Höhle

Manche Dinge sind einfach und in ihrer Einfachheit schön, derlei begegnet einem in unseren aufgeregten Zeiten eher selten. Zwei Tänzer treffen auf einen Percussionisten, zwei Bewegungskünstler treffen auf den Urgrund aller Bewegung, treffen auf Rhythmus. Die "TanzKunst"-Reihe "fused" des Kulturbüros hat die Begegnung zwischen Morgan Nardis' Compagnie Ludica und dem Krefelder Schlagzeuger Waldo Karpenkiel ermöglicht, dabei ist das Stück"des hommes" ("Männer") entstanden, das jetzt in der Fabrik Heeder uraufgeführt wurde.
Ludica, das sind in erster Linie Morgan Nardi und die japanische Künstlerin Naoko Tanaka, deren Videos in den bisherigen Stücken der beiden immer eine große Rolle gespielt haben. Das tun sie in "des hommes" einmal nicht, dennoch ist auch hier der Einsatz von Projektionen und vor allem eine bestimmte Technik von Wichtigkeit. Neben Morgan Nardi ist Andreas Simon der zweite Tänzer bei "des hommes", Karpenkiel bedient ein umfangreiches Instrumentarium aus verschiedensten Trommeln, Becken und Blechen live auf der Bühne.
Man kann in dem Stück eine Reise in die Vergangenheit sehen, eine Rückbesinnung auf die Urszenen des Tanzes. Ein (Nomaden-)Zelt und eine Art "Höhlenszene" bekräftigen das, auch die einfachste aller Projektionstechniken passt dazu. Auf die Zeltwand, später auf ein großes Stück Ballonseide, das zunächst als Himmel dient, dann am Ende aber - senkrecht hinunterhängend - den Zuschauer vom Bühnenraum trennt, wirft Naoko Tanaka Schattenbilder.
Karpenkiel ist ins Bühnengeschehen integriert, steht nicht nur hinter seinem beeindruckenden Instrumentarium am rechten Bühnenrand. Einmal treibt er im wahren Wortsinn Morgan Nardi mit Wirbeln auf einem Tamburin vor sich her. In der Höhlenszene" sitzt der Perkussionist auf einer Schlitztrommel, entlockt ihr eine leise geschlagene Melodie und singt dazu. Karpenkiel "erzählt" hier über den Rhythmus eine Geschichte, die Tänzer hocken in Lagerfeuerlicht vor ihm und lauschen.
Rhythmus und Bewegung treffen aufeinander, die Begegnung Karpenkiels mit den Tänzern ist zum Thema ihres gemeinsamen Stücks geworden. Nur der Einstieg, der zu lange im Atmosphärischen verharrt, wirkt ein wenig misslungen, ansonsten aber fesseln die Einfachheit der Struktur, die Intensität des Dialogs, die Klarheit der Bilder und auch die meditative, aber nicht spannungslose Stille zwischen einzelnen Szenen. Zu Recht herzlicher Applaus für alle.

Klaus-M. Schmidt, Westdeutsche Zeitung Krefeld, 21.11.2005

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