Hoffnungsträger 2011
Naoko Tanaka 

(von Katja Schneider / TANZ – das Jahrbuch2011)


Nuanciertes Weiß und pastellfarbene Schattierungen, harter Schattenschlag und filigrane Muster, Würfel aus Farbfiltern und eine Tür, 
die sich kurz öffnet und für einen Moment Geräusche, Stimmen, Farben, Lichter in den weißen, aseptischen Raum strömen lässt: 
Die visuelle Welt von Naoko Tanaka aus Tokio erscheint wunderbar luzide, voller Magie. Sie hat etwas Verspieltes, Leichtes und ist doch kein Leichtgewicht, sondern von unerschütterlichem Ernst. Nach zehn Jahren, in denen Naoko Tanaka mit dem Tänzer und Choreografen Morgan Nardi als Künstlerduo Ludica aufgetreten ist und in Düsseldorf zu Hause war, zog sie nach Berlin und macht nun ihr eigenes Ding.

„Die Scheinwerferin“ war ihr erster Solocoup: Eine Reise über den Körper einer Puppe als Alter Ego und in den Schatten des Tisches, unter dem sie hervor mit einer kleinen Taschenlampe Bahntrasse, Hochhäuser, wuchernde Mangrovenwälder, Zäune und Stacheldraht, Autostraßen und ein Haus mit Tisch und Stühlen als schwarze Welt auf die weißen Vorhänge wirft. Das mäandert zwischen klarer Konstruiertheit und verschwommenen Schatten, oszilliert zwischen Puppenwelt und Apokalypse. Die bewegten Bilder sind betörend, die Naoko Tanaka mit Hilfe von Filmstreifen, Pappkartons, Papier, Spiegelfolie, verbogenem Besteck, mit Licht und Schatten hervorzaubert. 
Aber noch mehr begeistert: Naoko Tanaka präsentiert in ihrem Solo nicht nur eine Bilderwelt, sondern reflektiert zugleich über Präsenz und Absenz des Körpers auf der Bühne. Man vergisst den Körper nicht, der in das Schattenreich des Tisches getaucht ist. Manchmal sehen ihre Augen dem Schattenspiel zu, oder ihre langen Haare streifen über die Welt hinweg – bis sie Gleise, Häuser, Wälder am Schluss mit einem Happs verschlingt und man wahrnimmt, wie virtuos die Performerin mit Licht, Körper und Raum umgeht, wie Klug sie ihre Mittel einsetzt. Mit der „Scheinwerferin“ hat Naoko Tanaka lichtvoll ins Schwarze getroffen. Auf die nächsten Arbeiten gespannt ist:  

© 2019 Naoko Tanaka